Jonas Vietzke


Raskolnikow - humanity is overrated
THEATER an der GLOCKSEE Hannover

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 25.04.2017
Im Stück "Raskolnikow – humanity is overrated", das Lena Kußmann mit ihrem Ensemble im Theater an der Glocksee entwickelte, lebt Rodja in einer zeit- und ortlosen Zwischenwelt, in die er alles saugt, das seiner Idee der Überlegenheit dient. Kußmann lässt Raskolnikows Mordmotive auf die von heutigen Überzeugungstätern prallen. Immer mehr gelingt es im Verlauf der Inszenierung, die Gedankenwelten von Attentätern der vergangenen 15 Jahre in jene der Hauptfigur Rodja zu schieben – eine klare Unterscheidung wird unmöglich. Die Gemeinsamkeiten überzeugen: Die taumelnde Suche nach Halt in einer entfremdeten Gesellschaft oder das Hadern mit größenwahnsinnigen Erlöserfantasien. Jonas Vietzke lässt das beständige Kippen seines Rodja zwischen Wut, Verzweiflung und Ausweglosigkeit beeindruckend greifbar werden.
T. Kaestle



Jack in the Box
THEATER an der GLOCKSEE Hannover

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 27.02.2017
"Jack in the Box" ist Jonas Vietzkes Ein-Personen-Stück im Theater an der Glocksee. Der Autor, Regisseur und Schauspieler hat sich darin sein Erleben der Welt von der Seele und auf den Leib geschrieben. Seine Kiste aus schwarzem Plastik steht im Foyer des Theaters, mit Sitzbänken für 22 Gäste rundherum und Sehschlitzen, durch die das Publikum individuelle Blicke auf Jacks Innenschau werfen kann. Sein Gedankenstriptease funktioniert wie eine Peep-Show, bei der man dem Darsteller nahekommen kann, ohne Gegenblicke fürchten zu müssen. Und bei der man schließlich beständigem Kippen des Dargestellten ausgesetzt ist: Wie viel davon ist Jack, wie viel Jonas Vietzke – und wie viel eigene Projektion? (...) Die Produktion untersucht in verunsichernden Zeiten, wie Menschen mit drohendem Kontrollverlust angesichts permanenter Überforderung umzugehen versuchen. Sie schafft eine Situation, in der sich das Publikum ganz nah konfrontieren kann und muss. (...)
"Jack in the Box" trifft mit einem metaphorisch brillanten Gedankenstrom ins Mark. Literarisch anspruchsvolle Texte treffen auf hohes darstellerisches Niveau.
Ein "Jack in the Box" ist im Englischen ein Springteufel. Mit dem Wissen um die Feder bleibt die Frage: Wann schnappt Jack über seine Kiste? Jonas Vietzke will in diesem Jahr das Format und damit die Figur fortsetzen.
T. Kaestle

Neue Presse, 26.02.2017
Mit "Jack in the Box" wagt das Theater zusammen mit Schauspieler Jonas Vietzke ein einzigartiges Experiment, bei dem die Zuschauer auf engstem Raum mit den besorgniserregenden Geschehnissen, die auf der Welt passieren, konfrontiert werden. Im medialen Zeitalter ist man permanent einer unaufhaltbaren Informationsflut ausgesetzt. Diese Masse an Informationen zu filtern, richtig einzuordnen und zu bewältigen stellt vor Herausforderungen, denen viele nicht gewachsen sind. Ähnlich geht es der Kunstfigur Jack. (...) Faszinierend und aufrüttelnd bleibt es. "Schmerz hilft, Schmerz vorzubeugen", appelliert Jack. (...) Die Texte zu "Jack in the Box" werden zu jeder Performance neu geschrieben und an die aktuellen Geschehnisse angepasst. Wann und wo man Jack das nächste Mal erleben kann? Das entscheidet einzig und allein er selbst.
L. Sagen

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 14.10.2017
Als Vietzke sich im Februar zum ersten Mal als Jack in die Kiste setzte, etablierte er das die Spielzeit des Theater an der Glocksee begleitende Prinzip der Kistenmonologe. (...) Der zweiten Teil der Produktion hat eine andere Grundstimmung. Schließlich reagiert Vietzke damit spontan auf aktuelle Geschehnisse. Eine Woche nimmt er sich jeweils Zeit, um sich in Jack zu verwandeln. Er lässt sich durch die Medien treiben, konsumiert Nachrichten und Kommentare, greift zu weiterführenden Texten, spinnt sich ein in einen Kokon aus Perspektiven auf Welt und Gesellschaft. Das Ergebnis ist radikal persönlich und zugleich voll von Bildern, an die das Publikum anknüpfen kann - ebenfalls aus eigenen Gedankenwelten heraus. Zwanzig Gäste sitzen um Jacks schwarze Kiste herum und lassen sich mit einem wilden Ritt durch dessen Kopf konfrontieren. (...) Er hangelt sich dabei durch große Metaphern der Literaturgeschichte und reichert sie mit eigenen Wortspielen an. Aus Herman Melvilles Klassiker "Moby Dick" wird: "In solchen Zeiten taucht der alte, dicke Demokratiewal auf, vernarbt vom Kampf mit Riesenkraken und verletzt von der Harpunen von Ahab für Deutschland - das Demokratier blutet." Oder Jack verwirbelt Goethes "Faust" mit der Quantentheorie: "Früher suchte ich nach Schrödingers Katze und des Pudels Kern."
Als er anfängt, aus seiner Kiste heraus kurze Filmcollagen an die Decke zu projizieren, wird die zu Platons Höhle, dem philosophischen Sinnbild für eine Gefangeschaft in der eigenen, starren Perspektive auf Abbilder der Realität. Vietzke vergisst dabei nicht einmal, seinen Schatten ins Bild zu rücken. Er findet aber auch treffende eigene Bilder für ein lähmendes Grundgefühl angesichts der Welt in Aufruhr: Als Jack endlich die Gucklöcher in seiner Kiste freireißt, ist man fast erleichtert, den Urheber all der Worte sehen zu können. Dabei gibt es gar nicht viel zu sehen: einen Menschen eben, ein wenig desillusioniert, mit einem ironischen Partyhut auf dem Kopf.
Da hat es Vietzke aber längst geschafft, Nähe und Vertrautheit herzustellen. So absurd manche seiner sich verknotenden Gedankenkollagen auch sein mögen - das Publikum findet darin eigene Ideen und Assoziationen wieder. "Jack In The Box" ermutigt, auch abseitige Ideen zuzulassen, um sich zumindest damit beschäftigen zu können, um vielleicht radikal Neues daraus zu schöpfen. "Thinking out of the box", heißt das Prinzip auf Englisch: Das Denken verlässt die Kiste.
T. Kaestle

Stadtkind, 11/2017
Jack, der im Gegensatz zum Setting im ersten Teil nicht zu sehen ist, klingt ernüchtert aus der Box heraus: Der allgemeinen Überforderung angesichts von zu viel Katastrophen, zu vielen Idioten auf dieser Welt, zu vielen und zu wenig Möglichkeiten, etwas konkret anzugehen, begegnet er mit einem verbalisierten Schulternzucken, einem müden „Pffff...“. Zustimmendes Nicken und Raunen auf den Plätzen um die Box herum – das kennt man. Irgendwie ist doch alles egal, solange es noch irgendwie geht… Aber was ist, wenn es eben nicht immer so weitergeht? (...) Wenn beispielsweise das „Wahlwatching“ das nächste Mal ergibt, dass das angeschossene „Demokratier“ nicht mehr wie gewohnt weiterdümpelt, während ein immer größerer Teil der Zuschauer teilnahmslos zusieht? Frage wie diese kreisen in Jacks Kopf, ziehen zusammen mit Bildern an der Decke über der Box in die Köpfe der Zuhörer und -schauer ein, verknüpfen sich mit dort Gedachtem zu Assoziationsketten, die von Impulsen aus der Box in neue Richtungen gelenkt werden (...) Als Jack die mit Papier zugeklebten Sehschlitze (oder sind es Schießscharten?) in den Wänden der Box aufreißt, wollen es alle wissen und beugen sich nach vorne, um einen Blick auf die Kunstfigur zu erhaschen. Die trägt ein Partyhütchen und eine Lichterkette um den Hals – ist das schon die große Abschiedsfete vorm Amoklauf? Im letzten Drittel wird es tatsächlich zorniger. Da wirft Jack sich und seine Wut der herrschenden Hilf- und Sprachlosigkeit entgegen – und zieht mit dem Tempo auch die Schärfe an. Weg ist das „Pfff...“ vom Anfang. Auch wenn der virtuos vorgetragene Schlussmonolog tragikomische Pointen hat – jetzt ist nichts mehr egal, auch nichts mehr witzig. Und das lässt einen großen Knall in der nächsten – vermeintlich letzten – Folge des Experiments mit diebischer Freude herbeisehnen. Zuzutrauen ist dem Gedankenjongleur auf jeden Fall einiges.
A. Wittkopp



Ben X
THEATER an der GLOCKSEE Hannover

Reutlinger General-Anzeiger, 31.01.2015
Alle Rollen spielt Jonas Vietzke - beeindruckend intensiv und wandlungsfähig. Das Stück funktioniert gleichermaßen als Porträt wie als Milieustudie, erzählt von Flucht in künstliche Welten und Entfremdung, über einen utopischen Dreh, den die Geschichte am Ende findet, aber auch von Selbstbehauptung. Das Publikum in der Planie 22 feierte Jonas Vietzke für seine Darstellung mit jubelndem Applaus.
C. B. Ströhle

Stadtkind, 28.12.2014
Jonas Vietzke ist Ben X. Das ist nicht einfach, denn sich in einen Autisten hineinzuversetzen, ist hochproblematisch. Zu befremdlich sind die stereotypen Verhaltensweisen, die Menschen mit dieser Wahrnehmungsstörung an den Tag legen. Umso beeindruckender, wie es dem Schauspieler gelingt, auf der Bühne zu Ben zu werden. Sein stetes muskuläres Zittern, die verspannte Körperhaltung, der nach innen gerichteten Blick, manisch abgemessene Bewegungen, Schlucken und Schwitzen - man meint, selbst den rasenden Puls sehen zu können. (...) Die Tatsache, dass es für Autisten fast unmöglich ist, Gefühlsregungen einzuordnen und sich "natürlich" oder angemessen zu verhalten, hat Regisseurin Karin Drechsel mit klugen Kunstgriffen verbildlicht: Anstatt die besorgte Mutter, den drängenden Vater oder den aufbrausenden Lehrer in persona auftreten zu lassen, ist es immer Vietzke, der in der jeweiligen Rolle spricht. Wenn überlebensgroße Nahaufnahmen vom Gesicht des Schauspielers als Videoprojektionen auf den verständnislosen Ben einreden, kann man dessen Gefühl, als Marsmensch zwischen Fremdlingen zu leben, deutlich nachvollziehen. (...) Theater, das in eine gänzlich andere Weltsicht hineinversetzt, ungemein emphatisch inszeniert und gespielt! Unbedingt einloggen!
A. Wittkopp

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 27.11.2014
Jonas Vietzke steht ganz allein im Bühnenraum, und das wird sich für die folgenden siebzig Minuten auch nicht ändern. Es scheint sich hier also um ein Ein-Personen-Stück zu handeln. Oder auch nicht. Denn Vietzke spielt auch andere Menschen: die Mutter und den Vater seiner Figur, einen Lehrer oder Psychiater. Diese sind als Video-Einblendungen auf einer Leinwand oder auf im Raum verteilten Würfeln und einem Rechteck zu sehen und zu hören. Dann wieder schlüpft Vietzke in die Rollen von Jugendlichen, die Ben bedrängen. Er tut dies alles allein durch Körpersprache und variierenden Tonfall. Eine beeindruckende schauspielerische Leistung, die den Blick in die Psyche eines Menschen freigibt.
Dass Vietzke als Ben allein agiert, kommt nicht von ungefähr. Ben ist Autist, sein Lebensuniversum umfasst ihn selbst, kommt er mit der Außenwelt in Berührung, sind krisenhafte Momente vorgezeichnet.
Doch dann bricht die Trennung zwischen den beiden Welten zusammen, weil der Druck von außen zu groß wird. Ben gibt den Kampf auf, so sein zu wollen wie die anderen. Im gelungenen Schluss des Stücks vermischen sich reale und virtuelle Welt - und aus Ben dem Ausgestoßenen wird Ben der Sieger. Viel Beifall für das Theaterteam, voran natürlich Jonas Vietzke und Regisseurin Karin Drechsel.
E. Böhm



House of Love
THEATER an der GLOCKSEE Hannover

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 04.10.2016
Einen überraschenden Blick auf die Liebe werfen? (…) Schon vor Wochen begann das Team um Regisseur Jonas Vietzke, nach persönlichen Erfahrungen des Publikums zu fragen. (...) Die Besucher erleben Stationentheater, partizipative Rauminstallationen und kleine, intime Performances. Und natürlich ist jeder selbst der größte Experte für seinen Begriff von Liebe. Das Ensemble nimmt das ernst. Alle Besucher werden darum gebeten, einen kleinen Gegenstand mitzubringen, der mit einem ganz persönlichen Blick auf die Liebe zu tun hat. (...) In jedem kristallisiert sich eine Geschichte heraus. (...) Der Abend im »House of Love« erzählt vom Warten und Hoffen, vom Vergessen und Verarbeiten, vom Erinnern und Verklären. Klischees, Platitüden und Sentimentalitäten begegnen Biologie und Verhaltensforschung. So wird die Vielfalt deutlich, mit der die Liebe oder ihr Fehlen das Leben durchdringt: als prägende Erfahrung in der Jugend, als Basis von Familie, als Trauma und Ideal. Die Besucher bedanken sich dafür mit langem Applaus.
T. Kaestle



Waisen
THEATER an der GLOCKSEE Hannover

nachtkritik, 17.04.2014
Regisseurin Bartkowiak vertraut auf die Leistung der Schauspieler und die Nähe, die sie mit wenigen Gesten erzeugen können. Langsam zoomt sie in die Seelenflächen der Protagonisten, holt das Grauen heran, lässt es sich im Raum ausbreiten. (...) Jonas Vietzke gibt Liam, dem verlorenen Jungen mit Außenseiter-Abo, eine flirrende, innere Hetze. Während ihm die Schuld aus allen Poren dringt, ringt er um Fassung. Dann steht er mit verschränkten Armen auf hell erleuchteten Europaletten - der Abgrund überstrahlt ihn fast - und schmeißt Sprachfetzen in den Raum: "Ich bin nicht ...", Ich bin kein ...". Was auch immer: Rassist? Böser Mensch? Vieles wollen diese Figuren nicht sein. Kein Täter. Kein Feigling. Keine miese, verantwortungslose Schwester. Keine moralischen Waisen. Der freie Wille - er hat viele düstere Ecken.
S. Drees

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 19.04.2014
Die Schauspieler kommen dem Publikum nahe, und wenn die vergifteten Dialogpfeile fliegen, duckt man sich (innerlich) fast. Der Erfolg dieser Inszenierung liegt natürlich auch an der Leistung der Schauspieler. Da ist Jonas Vietzke als Liam, eine Mischung aus Monster und Wrack, gleichsam aggressiv wie in Selbstmitleid ertrinkend. (...) Alle drei spielen mit einer Intensität, der man sich nicht entziehen kann.
E. Böhm



Nichts. Was im Leben wichtig ist
Regie // THEATER an der GLOCKSEE Hannover

Stadtkind, 12/2012
Der Inszenierung des hannoverschen Theaters ist es gelungen, sich mit der schonungslosen Direktheit junger Menschen, aber zugleich sehr erwachsen auf Sinnsuche zu begeben. (...) Den Schauspielern gelingt es mit ausdrucksstarker Mimik und passgenauer Betonung, die zunehmende Fanatisierung der Protagonisten erlebbar zu machen und eine beklemmende Spannung herzustellen. (...) Ein hintergründiges, ästhetisch umgesetztes und schauspielerisch beeindruckend fein ausgearbeitetes Theaterstück zum Mitfühlen und Überdenken!
A. Wittkopp

nachtkritik, 25.10.2012
Die Schauspieler kommen dem Publikum sehr nahe, gleich am Anfang schon: Da stehen sie, grinsen sinister und essen gemütlich Pflaumen. Im Hintergrund ragt ein großer, schwarzer Kasten in die Höhe wie der Kubrick'sche Monolith aus 2001 - Odyssee im Weltraum. (...) Der Regisseur Jonas Vietzke und sein Ensemble setzen nicht auf ausgestellte Theatralität, sondern vertrauen darauf, dass der beklemmende Text die neutral-grauen Kästen und die kleinen Gesten der Schauspieler mit Bedeutung füllt. Und es klappt. So gut, dass kleine, komische Momente, die manchmal unvermittelt auftauchen, wie eine zwischenzeitliche Befreiung aus dem Alptraum wirken.
J. Fischer

langeleine.de, 7.11.2012
In der Theater-Adaption des preisgekrönten und hochgelobten Jugend-Romans "Nichts" von Janne Teller geht das Theater an der Glocksee sehr eigene, und gewissermaßen erwachsene Wege, sind doch die vier Schauspieler selbst allesamt um die Mitte dreißig und stehen mit beiden Beinen voll im Leben. Dabei gelingt ihnen ein beeindruckendes Wechselspiel der Befindlichkeiten und Nachdenklichkeiten, denn wenngleich sie sehr wohl in verschiedene Schüler-Figuren schlüpfen, entwerfen sie doch auch einen beeindruckenden Blick in die Gefühls- und Angst-Welten der vermeintlich "großen" Menschen. Und entwerfen so unter der Regie von Jonas Vietzke ein bedrückend nachhaltiges und philosophisches Theaterstück für Erwachsene, das den Sinn und Wert des Lebens deutlich bloßzustellen und schmerzlich zu hinterfragen weiß.
H. Chadde

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 26.10.2012
Das Theater, das mit seinem wunderbaren Medizinerstück "Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt" monatelang vor ausverkauftem Haus gespielt und sich damit eindrucksvoll in die Riege der wichtigen Freien Theater der Stadt zurückgemeldet hat, spielt "Nichts" etwas anders, als es sonst so im Kinder- und Jugendtheater üblich ist.
Die vier Akteure, alle Mitte 30, begeben sich zwar in die Rollen von Schülern, aber sie imitieren kaum jugendliches Verhalten. Sie präsentieren das Stück als philosophisches Theater für Erwachsene. (...) Alle Darsteller spielen viele Figuren, zwischendurch wird erzählt, oft spricht man im Chor, ab und zu wird auch gesungen. Langweilig wird es nie.
Vieles in Jonas Vietzkes Inszenierung ist sehr stilisiert. So gibt es keinen Turm von bedeutungsvollen Dingen, sondern einen Berg von merkwürdig leichten Paketen. Die Spielräume Sägewerk und Schule werden nicht einmal angedeutet. Im Grunde bleibt man die ganze Zeit im Buch. Manchmal vibriert das alles vor Angst und Leidenschaft.
R. Meyer-Arlt


Wodka-Käfer
Deutsches Theater Berlin

Freie Volksbühne Berlin, 18.01.2016
Eine witzige, auch aberwitzige und (im schnellen, kontrastreichen Wechsel) tragisch-traurige soziokulturell-sozialpsychologische Stadtführung. Voller Sentiment und Lakonie. Des Lebens spärlicher Glanz und heulendes Elend, die Tränen lax weggesteckt. Prolls, halbwegs Erfolgreiche, Verlierer, Verlorene, Vereinsamte, Aufmotzer und Auferstandene. Fesselnd wird dieser Mix erst recht durch die Kunst einer Handvoll starker Schauspieler (der Star am DT ist immer wieder, in welchem Format auch immer, das Ensemble!): Michael Gerber, Gabriele Heinz, Barbara Schnitzler, Olivia Gräser, Jonas Vietzke. Berlin-Feeling in schillernder Grau-Abstufung wie hingezaubert. Die Hauptstadt-PR sollte mit 'Wodka-Käfer' werben für unsere Stadt.
R. Wengierek

neues deutschland, 11.01.2016
Dreizehn Hausbewohner kommen in einem fünfköpfigen Ensemble zu Wort und Wert. Und Würde und Wut. Rollenwechsel, Geschlechterwechsel – über eine Hose wird ein rotes Kleid gezogen, auf die Mannsfrisur eine Frauenperücke gesetzt, Alt spielt Jung, Jung Alt. Aus Pappkartons werden die Requisiten für den jeweils nächsten porträtierten Bewohner genommen. Da sind Alleinerziehende und Minijober, lethargisch Brütende und beflissene  Projekt-Betreiber. Eine Sperrholzwand als gelbe Hausfassade, umgeben von Gerüststangen: ewiger Aufbau, und das ist nichts weiter als Festschreibung jenes Fragmentarischen, in dem wir nie wirklich eine Heimat finden können.
H.-D. Schütt



Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung
Freilichtspiele Schwäbisch Hall

Haller Tagblatt, 23.07.2012
Jonas Vietzke ist dieser hinterlistige Teufel, ein altersloser Lausbub, der nichts als Streiche im Sinn hat. Vietzke ist ein hervorragender Darsteller, was sich in seiner Verkörperung des missgestalteten, minderbegabten Gottliebchen sogar noch deutlicher zeigt: Seine Mimik ist hinreißend.
M. Everling

Schwäbische Post, 27.07.2012
Jonas Vietzke agiert mit feuriger Frisur, gelegentlich sogar mit zottigem Pferdefuß und wie auch die anderen Protagonisten in äußerst ansprechende Kostüme von Monika Gebauer gewandet, durchgehend voller Verve.
S. Jaser


Lassen Sie mich durch, ich bin Arzt
THEATER an der GLOCKSEE Hannover

Hannoversche Allgemeine Zeitung, 04.05.2012
Der Medizineralltag ist sehr genau beobachtet. Jonas Vietzke als Anästhesist spricht mit dem akuten Abdomen auf der sechs, Helga Lauenstein, die Oberärztin der Psychiatrie, redet sanft auf eine Patientin ein, und Lena Kußmann in der Rolle der Ärztin aus der Kinderonkologie macht den Eltern eines kranken Kindes Mut.
Man kennt den Ton, diese merkwürdige Mischung aus Professionalität und Hingabe; einiges hat man vielleicht schon mal gehört, anderes wünscht man sich nie zu hören. Das Stück kann einem an die Nieren gehen. Es ist todtraurig, aber es ist - große Kunst - auch sehr, sehr komisch. Und es ist ganz wunderbar gespielt. Alle drei Darsteller spielen Ärzte, die für ihren Beruf brennen und irgendwann nicht mehr weiterkönnen. (...)
Tolles Thema, tolle Inszenierung, tolle Schauspieler - an der Glocksee ist eine kleine Theatersensation zu bestaunen.
R. Meyer-Arlt

Neue Presse, 04.05.2012
Helga Lauenstein, Lena Kußmann und Jonas Vietzke überzeugen mit direktem, hochdifferenziertem Spiel mit doppeltem Boden. Lehrreiche, spannende und amüsante 70 Minuten.
E. Beyer


Liebe im Getriebe
Kasemattentheater Luxemburg / Eigenproduktion

Luxemburger Wort, 28.04.2012
Ein klein wenig Pierrot und Colombine (maskenhaft-weiß geschminkte Gesichter), ein Stück weit Adam und Eva und eine Spur Baptiste Deburau und Garance aus Carnés "Les enfants du paradis" - so könnte man die einladende Mischung beschreiben, die das Publikum am Donnerstag Abend erleben konnte. (...) Vom zaghaften Erwachen der Gefühle, über die sprichwörtlichen Schmetterlinge im Bauch und eine verschmelzende Zweisamkeit bis hin zu Entfremdung und blankem Trennungsschmerz, wurde die regelrechte Achterbahn der Gefühle ohne Pathos, gar Sentimentalität, jedoch mit einer überraschenden Reife und Verklärtheit präsentiert.
Genauso phantasievoll wie abwechslungsreich arrangierten die beiden Künstler hierbei die Musik, und ließen ebenfalls die Stille gebührend klingen. Sie wechselten nicht nur fliegend Gemütslagen, sondern auch das Instrument - Gitarre und Akkordeon, die passenderweise die dementsprechenden Assoziationen weckten -, um die poetisch-verspielten, dann wiederum zerrissen-verletzten Texte zu begleiten. (...) Vor allem bei der Sparsamkeit der inszenatorischen Mittel - ein kurzer Blick, ein fast unmerkliches Zucken der Augenbrauen - machte sich das schauspielerische Können und die symbiotische Vertrautheit der beiden Darsteller bemerkbar.
V. Andonovic


Der Kirschgarten
Freilichtspiele Schwäbisch Hall

Schwäbische Post, 06.06.2011
Wo die Schauspieler aus dem inszenierten Raster heraustreten, in ihren Solos, geben sie dem Abend großes Theater. Jonas Vietzke zum Beispiel, der Student und ehemalige Hauslehrer, mit seiner aktuellen Rede über Politik und Wirtschaft im Kapitalismus. Hier gibt es den einzigen, gleichwohl zögerlichen Szenenapplaus.
R. Wiese

Stuttgarter Zeitung, 06.06.2011
Wer übrigens immer noch sein Vorurteil pflegt, bei Freilichtspielen seien leider keine wirklich guten Schauspieler zu erleben, dem sei die Reise nach Schwäbisch Hall zum "Kirschgarten" geradezu befohlen. Was Biermeiers Ensemble hier im großen Raum einerseits an nötiger Klarheit und Prägnanz erarbeitet und andererseits an Differenzierung und Finesse nie vermissen lässt, hat Erstligaqualität.
T. Schleider

Mannheimer Morgen, 10.06.2011
Für Besucher aus Mannheim gibt es ein Wiedersehen mit Vilmar Bieri als Bruder der Ranjewskaja sowie mit Stephanie Kämmer als Pflegetochter Warja und Jonas Vietzke als Student Trofimow; sie überzeugen mit intensiver Emotionalität.
M. Köhler

Südwest Presse, 08.06.2011
Ausgerechnet der ehemalige Erzieher ihres Sohnes, der Student Trofimow, verliebt sich in ihre Tochter Anja. Lena Kussmann und Jonas Vietzke spielten sie schwärmerisch-jugendlich. Gut gelungen war auch das Vorantreiben durch diese beiden Figuren, die neben Lopachin für Veränderung stehen. Am Ende, nach an "Wutbürger" gemahnenden Parolen vor allem von Trofimow, werden sie die Veränderung mit "Leb wohl, altes Leben! Willkommen, neues Leben!" auch sprachlich festhalten.
R. Snurawa


Das Leben in der Tasche
Duisburger Akzente Festival 2012

Rheinische Post, 13.03.2012
In fesselnden, auch rätselhaften Szenen wird das weite Feld der Lebensorientierung und Lebensverirrung beschritten. Den eindringlichsten Part hat dabei der Schauspieler Jonas Vietzke, der mit artistischem Können einen Menschen spielt, dessen Arme und Beine eigene Wege gehen: Ein tolles Bild der Selbstentfremdung! Gelegentlich bittet er die Zuschauer um ein Gelenk - im Tausch gegen eine schöne Geschichte.
P. Klucken


Context
Pumpenhaus Münster

Münstersche Zeitung, 15.10.2010
Jonas Vietzke gelingt als Casper eine überzeugende Darstellung des kühlen Yuppies, dem man die Sehnsucht nach dem einst von Idealen geprägten Studentenleben immer wieder anmerkt. (...) Die Aufführung zieht die Zuschauer in die selbstquälerische Sinnsuche dieser Mittdreißiger, in diese viel zu frühe Lebenskrise unbarmherzig mit hinein. (...) Eine starke Inszenierung.
H. Ostendorf


Woyzeck
Theater Lauenburg / Hamburg

hamburgtheater.de, 27.10.2010
Laura Jakschas schafft es dem viel inszenierten Stück Woyzeck neue Aspekte zu geben. Sie zeigt, wie die Geschichte zwischen Marie und Woyzeck beginnt. Woyzeck (herausragend: Jonas Vietzke) versucht ein selbst gedichtetes Liebeslied auf der Gitarre zu intonieren und Marie (toll: Lena Kußmann) ist beeindruckt. Endlich ein Mann mit Sinn für Romantik! Doch dieser Mann ist mittellos und muss für ihrer beider Lebensunterhalt und ihrem sich bald einstellenden Nachwuchs beim Doktor Experimente und beim Hauptmann Beleidigungen über sich ergehen lassen. Der sensible Woyzeck verändert sich. Zu seinem Nachteil, wie die vergnügungsfreudige Marie findet. Sie lässt sich von einem Ketten spielenden, gegelten Hyper-Macho, zu dem der Tombourmajor in der Lauenburger Inszenierung mutiert ist, flachlegen. Der Sohn (Leif Scheele) betritt bei Jakschas leibhaftig die Bühne und fordert lautstark die Aufmerksamkeit der Erwachsenen ein. Er liebt und braucht die Geschichten und Gedichte, die seine Eltern ihm erzählen. Nachdem Woyzeck "wie ein offenes Messer" durch die Gegend gelaufen ist, kommt der Sohn ein letztes Mal auf die Bühne. Im Hintergrund hört man eine Gute-Nacht-Geschichte, vorgelesen von seinen toten Eltern: ein Andersen-Märchen von einem Kind, das zuerst seine Mutter verliert, dann seinen Vater und ganz allein zurückbleibt. Eine temporeiche Inszenierung, die trotz des bekannten Stoffes gefangen nahm.

Hamburger Morgenpost, 10.4.2010
Woyzeck ist einer, über den heute in den Nachrichten berichtet werden könnte: Einer, der aus Eifersucht und Verzweiflung seine Frau ermordet, seinen Sohn jedoch am Leben lässt. Aber auch einer wie er war mal verliebt und glücklich - und genau da setzt Regisseurin Laura Jakschas an. Sie zeigt Woyzeck und seine Marie zunächst als Liebespaar des 21. Jahrhunderts. Um dann präzise und gnadenlos in Georg Büchners Original aus dem Jahr 1836 einzutauchen, mit all dem subtilen Grauen und dem finalen Mord aus Leidenschaft. Für ihr Regiedebüt holte sich die 29-Jährige eine Handvoll schillernder Profis. Die neunzigminütige Sicht auf den Klassiker findet einen eigenwilligen, überzeugenden Mittelweg zwischen Treue zum Autor und angemessener Aktualität. Ein verwirrend gutes (Familien-)Drama.


Tarzan & Heidi - Überleben ohne Schrift
Schlosstheater Moers

Rheinische Post, 12.5.2007
Die Spielfreude von Eva Müller und Jonas Vietzke ist einfach erfrischend. Und genauso locker, unaufgeregt und humorvoll geht Regisseurin Barbara Wachendorff an die Inszenierung heran. In kleinen Szenen versucht Barbara Wachendorff, die verstörenden, erschütternden, aber auch komischen und überraschenden Aspekte des Themas aufzuspüren. Dabei überschreitet sie jedoch nie die Grenzen zur Bloßstellung der Betroffenen.
A. Katzke

Deutschlandfunk, 13.5.2007
In der Regie von Barbara Wachendorff konfrontieren die jungen und überaus spielfreudigen Schauspieler Eva Müller und Jonas Vietzke das Publikum mit den alltäglichen Dramen von Analphabeten.
Hier fehlt jeder Betroffenheitsgestus; die Aufführung erinnert an die alten "Dick & Doof"-Filme, die ihre Kraft ja aus dem wunderbaren Humor ihrer tollpatschigen Protagonisten beziehen.
H. Theissen


Wilde Schwänze - Ein Abend unter der Gürtellinie
Premiere am Schlosstheater Moers

NRZ, 18.4.2007
Wer das verschlafen hatte, war selbst schuld!(...) Beim "Abend unter der Gürtellinie" mit dem anzüglichen Titel "Wilde Schwänze" brachten Ekkehard Freye und Jonas Vietzke vom Schlosstheater Moers unter der Regie von Anja Schöne mit Literarisch-Hochkarätigem rund um den Globus eine bunte Mischung aus Zuschauern um ihren Schlaf. (...) Freye und Vietzke, die zur wahren Höchstform aufliefen, gelang es exzellent und auf höchst amüsante Art und Weise, ansonsten Anzüglich-Unaussprechliches zu enttabuisieren und aufzuarbeiten.
m.k.

Rheinische Post, 17.4.2007
Unter der Regie von Anja Schöne bescherten dort die beiden STM-Schauspieler Ekkehard Freye und Jonas Vietzke ihren Zuschauern knapp anderthalb Stunden lang eine literarische und musikalische Revue rund um des Mannes liebstes Körperteil und dessen mehr oder weniger lustvolle Nutzung. (...) Zum Abschluss durften alle Herren ihr wertvolles Stück schließlich noch mit einer gemeinsam gesungen Hymne ehren, was ihnen die Damen in diesem Fall allerdings auch neidlos zubilligten.
Jutta Langhoff


MaulSonstAuge
Städtische Bühnen Münster

Münstersche Zeitung, 13.10.2008
Eckige Holzkästen stehen auf der Bühne im Kleinen Haus. In einigen ein Stuhl oder ein Tisch, der Kasten ganz rechts ist wie ein Zimmer möbliert. Dort sitzt im Unterhemd ein Mann, abgewandt, isoliert. Vielleicht ist er einer Täter, die ohne den voyeuristischen Blick einer untätigen Öffentlichkeit gar nicht denkbar wären. (...)
Die Energie der Jugendlichen steht im Kontrast zur verkrampften Attitüde der theoretisch besorgten Erwachsenenwelt (brilliant: Carola von Seckendorff, Frank-Peter Dettmann, Jonas Vietzke). Psychologen, Bürokraten und Manager quetschen sich in die Kästen wie in Legebatterien und posieren mit didaktischen Merksätzen, die gleichzeitig zur Abwehr der Realität dienen. (...)
Exemplarisches Theaterspiel, ein toller Abend!
G. Moseler

Westfälische Nachrichten, 12.10.2008
Entstanden ist ein Stück, so facettenreich wie die Biografien der jungen Schauspieler (...) Gewalt erleben jugendliche Migranten aber auch in Form von Behördenwillkür und die Menschenwürde verletzenden Auswahlverfahren. Gemeinsam mit den Schauspielern Carola von Seckendorff, Frank-Peter Dettmann und Jonas Vietzke, die den etablierten Gegenpart der Jugendlichen übernahmen, fanden sie hierfür ausdrucksstarke Bilder. So etwa, wenn sich in einem improvisierten Behördenflur immer neue Türen öffnen, nur um die gesamte Klaviatur der menschenverachtenden Verwaltungswillkür durchzudeklinieren.
S. Herkenrath


Nellie Goodbye
Städtische Bühnen Münster

Westfälische Nachrichten, 11.10.2007
Autor Lutz Hübner hat „Nellie Goodbye“ mit einer Gewissensfrage nach der nächsten gespickt, ohne das Stück zu überladen.
Drummer Danny, stark gespielt von Jonas Vietzke, gesteht Nellie seine Begierde, obwohl die erstens todkrank und zweitens mit Jonny zusammen ist. Der wiederum will Nellie eigentlich beistehen, landet schließlich aber mit ihrer besten Freundin Cora (Sonia Hausséguy) im Bett. Und Tina (Anja Carolin Pohl) springt als Sängerin ein.
Mit Blick für die Qualität des Textes ist Regisseur Boris Alexander Knop eine überzeugende Inszenierung gelungen.
Frank Zimmermann


König Ubu
Schlosstheater Moers

WDR 5, Skala


Die Grönholm-Methode
Schlosstheater Moers

NRZ, 24.02.2007
(...)Bestes Theater, das dank des glänzenden Darsteller-Quartetts aus Werner Strenger, Ekkehard Freye, Ulrike Volkers und Jonas Vietzke in der Regie von Tobias Lenel die Lacher auf seiner Seite hat.
Karl Daniel

Rheinische Post, 24.02.2007
Das volle Programm der Persönlichkeits-Testate. Spaßig ist das, und bitter, brutal, verachtend - und allgegenwärtig: Gespielt wird im Plenum, auf der Empore, auf und hinter der Regierungsbank. Jede Menge Action und ein dankbares Schauspielerstück: Ulrike Volkers ist die Karriere-Zicke, Jonas Vietzke die coole Nachwuchskraft, Ekkehard Freye der auf ewig leicht überforderte und Werner Strenger der robuste Bruce-Willis-Typ.
(...) die permanenten Verwandlungen, all die Rollenspiele und Anweisungen geben der „Grönholm-Methode” ein zweites Gesicht. Es ist das eines Theaterstücks über das Theater.
Kräftiger Applaus im Plenarsaal; die Wahl ist einstimmig: tolle Premiere.
Lothar Schröder


Vom Teufel mit den drei goldenen Haaren
Schlosstheater Moers

Die Deutsche Bühne 5/2006
Jonas Vietzke hat nichts zum Spielen außer sich selbst und zieht sich nicht auf die Mittel des Erzähltheaters zurück. Er springt in die Rollen und wieder hinaus, explodiert und nimmt sich leise zurück – und am Ende hat man die Hölle, den Himmel und die Erde gesehen.
Stefan Keim

Südwest Presse, 17. 8. 2010
Was Freilichtspiele-Darsteller Jonas Vietzke in seinem Solo leistet, das beeindruckt. (…) Der Abend ist komponiert wie ein Streichquartett: Auf die Vorstellung des Themas folgen Gefühlsaufwallungen, dann wieder ruhige Phasen, heitere Verzierungen, Temposteigerungen oder Verzögerungen, und kurz vor dem Schluss ein Kulminationspunkt. Vietzke bringt den etwa 50 Besuchern im Theaterkeller dies alles allein durch seine Bühnenpräsenz nahe - faszinierend. Er ändert seine Körperhaltung, seine Stimme, und ist gleich eine andere Person. Sein Fuß, genauer gesagt seine rote Socke, ist der Teufel, oder seine Hände führen miteinander ein Streitgespräch. Sein Spiel ist anrührend: Es ist wunderbar, wie er sein Gesicht leuchten lassen kann, wenn der Knecht immer wieder Hoffnung fasst auf ein künftiges glückliches Leben an der Seite der Königstochter, oder wie er den Liebeskummer des Erzählers darstellt, als er von der Hochzeit der Prinzessin mit dem Knecht berichtet - der Erzähler hatte sich selbst in die Königstochter verliebt. Mit wenigen Gesten stellt Vietzke das naive Mädchen oder den kopflos-gehorsamen Soldaten dar. Er lässt den Prälaten seine hinterhältigen Pläne im sakralen Singsang vortragen und des Teufels Großmutter »I can't get no satisfaction« singen. Und immer wieder und vor allem ist seine Darstellung sehr witzig.
Am Schluss, wenn dann an diesem Freilichtspiele-extra-Abend jeder weiß, dass man aus großen Kröten auch Hüpfburgen bauen kann, ist Jonas Vietzke total nassgeschwitzt, und sein Publikum ist atemlos. Tosender Beifall belohnt den Mimen, der diese Produktion des Schlosstheaters Moers (Regie: Barbara Wachendorff) schon seit fünf Jahren im Repertoire hat und mit ihr 2006 beim Kinder- und Jugendtheatertreffen Nordrhein-Westfalen den Publikumspreis bekam.
Monika Everling

Schwäbische Zeitung, 3. 4. 2007
Lang ist die Personenliste: Erzähler, Knecht, Teufels Großmutter, Teufels Großmutter als junge Frau, Hauptmann, Pferd, Soldaten, Räuber, Prinz, Königstochter und und und... Dahinter steht ein einziger Name, der von Jonas Vietzke. Und der junge Schauspieler füllt all diese Rollen mit so prallem Leben, dass einem Hören und Sehen vergeht. (...) Köstlich wie der Brief, den der König dem Störenfried mitgibt, bei den Räubern von Hand zu Hand geht - jeder verzieht das Gesicht auf seine Weise, bis endlich einer den Brief, der dem Überbringer den Tod bringen soll, zu entziffern weiß. (...) Herrlich, mit welchem Strahlen unser Glückskind die ihm Zugedachte beschreibt: Haare, Augen, selbst die hübschen, kleinen, kugelrunden Pfirsiche auf ihrer Brust. Die wiederum freut sich von Herzen, dass sie nicht dem dummen Prinzen von Lothringen und dem ungeschlachten Riesen gehören soll, die plastisch vor unseren Augen stehen.
Das schönste kommt, als Glückskind zum Teufel gelangt: Einen Schuh ausgezogen, die rote Socke vorgestreckt und fertig ist der Teufel, den die Großmutter zärtlich laust, dem sie "im Traum" die goldenen Haare ausreißt...
Wie wenig äußerer Aufwand ist doch nötig, dass mit viel Witz und Phantasie eine ganz andere Welt vor den Augen entsteht.
chv

nrz, 11.11.2005
Mächtig gespannt durfte man sein, wie Jonas Vietzke den vielschichtigen Stoff im Alleingang bewältigen würde. Um es vorweg zu nehmen: Er schafft die schwierige Aufgabe mit Bravour.
Mit vollem körperlichen Einsatz lässt er die Geschichte lebendig werden und dabei eine ganze Räuberbande vor dem geistigen Auge entstehen. Humoristische Kabinettstücke sind die Konversationen zwischen dem König, seinem Minister und einem intriganten Prälaten. Diese Figuren sind herrlich überzeichnet. Der Mime spricht im wahrsten Sinne des Wortes mit Händen und Füßen. (...)
Nahtlos schlüpft Jonas Vietzke von einer Rolle in die nächste, wechselt blitzschnell Ausdruck und Stimme und nutzt optimal die wenigen Möglichkeiten, die die stufenförmige Bühne im Pulverhaus am Schloss bietet. Da vergisst man leicht, dass die Inszenierung völlig ohne Bühnenbild und Kostüme auskommt. Das virtuose Wechselspiel von spielerischen und erzählerischen Elementen ist eine vergnügliche Mixtur, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen begeistert.
Ulrich Ernenputsch

Rheinische Post, 11.11.2005
Im Rahmen der Penguin’s Days erlebte das teuflische Märchen jetzt im Pulverhaus eine glanzvolle Premiere mit einem furiosen Solo von Jonas Vietzke, der wirklich all Register seines Könnens zog. (..) Im ebenso gewagten wie genialen Balanceakt verkörpert Jonas Vietzke König und Prinzessin, Soldaten und Räuber, die Großmutter, die rote Teufelssocke, die Räuberbabutschka, die Kröte, den Riesen und, und, und. Ein schweißtreibender Kraftakt über „Berg und Tal”, der ganzen Körpereinsatz fordert. Gleichermaßen turbulent geht es auch in der Sprache zu, vom Kampfgebrumm des Riesen über das liebliche Gesäusel der Prinzessin bis zum Gregorianiksingsang des Prälaten. (...) Die Zuschauer amüsieren sich köstlich bei diesem theatralischen Genuss, der mit unaufwändigem Spiel ein reiches Ergebnis liefert. Teuflisch gut.
Petra Riederer-Sitte


Gespenster
Schlosstheater Moers

Rheinische Post, 1.4.2006
Tobias Lenel hat das wortlastige Stück auf die Dialoge konzentriert, sie quasi zur Handlung gemacht. (...) Jonas Vietzke steigert seine Rolle von anfänglicher Verhaltenheit zu dramatischer Tragik: „Gib mir die Sonne, Mutter.” Nach dem bitteren Ende scheint für einen unendlichen Moment die Welt stillzustehen. Erst der langanhaltende Applaus vertreibt die Gespenster von der Bühne, nicht aber aus den Köpfen der Zuschauer.
prs

nrz, 1.4.2006
Am Ende sind es die guten, die richtig guten, die riesig guten Schauspieler: Sie machen in Moers aus den Gespenstern von einst Menschen aus Fleisch und Wut, verzweifelte Gesellschaftswürmchen, winselnde, hechelnde Eigennutztiere.
(...) es geistern bravourös Jonas Vietzke (Oswald), Ekkehard Freye (Engstrand) und Pirkko Cremer (Regine) - bis ein Kammerspiel des Falschen, der Verstellung und der Fehler daraus wird.
Und selten gibt eine Theater-Inszenierung jenseits des allemal verdienten Premierenbeifalls so viel Anlass, aus dem Theater zu gehen und ab sofort keine Halbheiten mehr zu wollen und keine Heucheleien.
Jens Dirksen


Kick & Rush
Thalia Theater Hamburg

Die Welt, 16.12.2004
(...)"Kick & Rush" erzählt von den Jugendlichen Chrigel (Tino Mewes) und Mischa (Jonas Vietzke), die bei allen Spielen ihrer Fußballmannschaft die Ersatzbank drücken, zunächst hochmotiviert, später frustriert. Laurenz (Clemens Dönicke) schätzt Bier und Zigaretten mehr als Sport, ist treuester Fan, ewiger Mannschaftsclown am Spielrand und das schwitzende Maskottchen, das beim Rasenmähen und an Flipcharts Trost sucht. (...)
Dominik Günther läßt die Jungs spielen (kick), vor allem stürmen (rush) und erlaubt sich ein paar hübsche Einfälle wie Zeitlupen-Sequenzen, Schlachtgesänge aus dem Off und sich wiederholende Aufwärmszenen - das macht "Kick & Rush" mit Dönicke, Mewes und Vietzke zu einem runden, komischen, einstündigen Stück - sommerlich-leicht mit Tempo im Spiel.
Hella Kemper

taz, 20.12.2004
Der Schweizer Dramatiker Andri Beyeler, geboren 1976 in Schaffhausen und im Thalia bereits bekannt durch The Killer in Me is the Killer in You My Love, erzählt in drei Episoden die Geschichte einer ungleichen Leidensgemeinschaft auf der Auswechselbank: Mischa (Jonas Vietzke), die Nummer 13, der Bleiche mit den traurigen, rotgeränderten Augen, findet nämlich: "Eigentlich geht's uns hier gar nicht so schlecht." Er gehört zu denen, die sich mit dem Misserfolg abfinden, denen die künftigen Niederlagen schon mit 15 ins Gesicht geschrieben sind. Die sich auf ihr Leben auf der Ersatzbank eingerichtet haben und motzen, wenn sie dann doch noch für die letzten drei Minuten des Spiels eingewechselt werden. (...)
Für die drei Jungschauspieler ist Kick & Rush ein Paradestück. Tino Mewes als nervös-zappeliger Rebell und Jonas Vietzke als sein verträumt-lethargischer Konterpart zeigen sehr feinsinnig, wie schmal die Grenze zwischen Freundschaft und Außenseiter-Gemeinschaft ist - vor allem, wenn einer von beiden dann doch eingewechselt wird.(...)
Carolin Ströbele

Hamburger Abendblatt, 16.12.2004
Fit trainiert von Nachwuchsregisseur Dominik Günther, hält das Spieler-Trio im Foyer des Thalia in der Gaußstraße Andri Beyelers witziges Verbalmatch "Kick & Rush" ironisch und lustig in der Spannung zwischen Ernst und Komik. (...)
Mewes und Vietzke überzeugen jede Spielminute durch Einsatz und ehrliches Engagement. Sie zeigen auch etwas von den pubertierenden Jungs und ihren peinlichen Nöten, schaffen ironische Distanz zu den Fußballnarren und dem Traum, ganz groß herauszukommen.
itz

hamburgtheater.de, 02.02.2005
Unter der Regie von Dominik Günther balancieren die drei Schauspieler mit wunderbarer Genauigkeit die Töne zwischen Komik und Melancholie aus. Sie wissen die Stimmungen zwischen Witz und Trauer mit kleinen Gesten und beredtem Mimikspiel sekundenschnell kippen zu lassen.
Birgit Schmalmack


Die Möwe
Deutsches Schauspielhaus Hamburg / Malersaal

Hamburger Abendblatt, 26.3.2005
Tschechows Texte genügen (Baierlein) nicht. Lieber legt er seinen Schauspielern eigene Formulierungen in den Mund. "Einfach leben ohne über Formen nachzudenken", was für ein Wunsch für einen jungen Theaterschaffenden wie Tschechows Kostja. Oder wie Baierlein. Letzterer allerdings hat nicht nur ein Faible für Branchenzitate, sondern vermittelt seinen Darstellern auch deutlich mehr Spaß am Spiel. Läßt sie sich austoben, paradieren, zeigt einen stürmischen Haufen, der zeitweilig wie auf Koks zwischen ausgestopftem Federvieh agiert. Und das mitunter wirklich furios. Arkadina (Wiebke Mauss, eine Rampensau, die man sich merken muß) ist komplett durchgeknallt, ihr Sohn Kostja (ebenfalls glänzend: Jonas Vietzke) beschimpft sein Publikum schon mal als "Bush-Wähler!". Vielleicht hätte Thalheimer die übrigen Figuren konsequenterweise ganz gestrichen? Unerheblich.
msch

taz, 2.4.2005
In Martin Baierleins Möwe zum Beispiel regiert zunächst das Chaos, wildes Durcheinanderdeklamieren von Texten. Tschechow reloaded und optisch angereichert durch eine Sammlung aus der Vogelabteilung des zoologischen Museums. Inhaltlich versetzt mit allerlei Skurrilitäten aus Freuds Neurosenkabinett. Wiebke Mauss als Arkadina - hysterische Furie mit Schnappatmung - ist da zum Beispiel zu sehen. Dann wieder Jonas Vietzke als verlorener Poet Kostja. Ein sympathisch ungeordneter, aber mutig gelungener Versuch, Tschechows Text wieder lebendig zu machen.
Caroline Mansfeld


zeit zu lieben zeit zu sterben
die bühne / projekttheater dresden

Dresdner Neueste Nachrichten, 1.10.2009
Was als melancholisch-froher Blick auf frühe Träume angekündigt wurde, endete in Ernüchterung bis hin zur Resignation. Ernüchternd war nicht die Leistung der fünf jungen Schauspieler Markus Arnhold, Marie Wolff, Theres du Vinage, Martin Guss und Claudia Keil von "die bühne - das Theater der TU Dresden". Sie spielten leidenschaftlich und mit vollem Einsatz, dass es einem Lust bereitete, Ihnen zuzusehen. Was der lang anhaltende Applaus mit Jubelrufen nach der Premiere von "zeit zu lieben zeit zu sterben" im projekttheater bezeugte. Ein resignatives Gefühl hinterließ vielmehr die Geschichte, wenn von einem stringenten Erzählstrang überhaupt gesprochen werden kann. Fritz Kater (...) reiht in seinem Stück drei Szenen aneinander. Was sie verbindet, ist das Land, in dem sie spielen, die DDR bzw. Ostdeutschland.
Im ersten Akt zieht das Regie-Kollektiv Brit Bartkowiak und Jonas Vietzke das Publikum in eine Clique hinein. Wie einst auf dem Schulhof berichten die fünf vom ersten Kuss und dem ersten Sex. Sie erzählen von ihren Wünschen und Träumen, davon, einmal Schauspiel in Paris und London zu studieren oder die eigene Rockband zu gründen. Wenn der eine spricht, untermalen die anderen mit pantomimischem Spiel das Gesagte, was mit dem Mittel der Übertreibung mitunter in Richtung Slapstick geht, einen zum Lachen bewegt, das gleichzeitig im Hals stecken bleibt. Flott und rasant wie abrupt wechseln die Dialoge und Monologe. Liegt man in einem Moment noch mit dem einem am Strand und schaut "auf den nackten Arsch seiner Freundin", handelt der nächste von Hans, der auf seinem Fluchtversuch an der ungarische Grenze geschnappt wird, für zwei Jahre in den Bau wandert (...).
Ist zu Beginn des ersten Teils noch Lebensfreude und Aufbruchstimmung zu spüren, wirft einen der zweite auf den desillusionierenden Boden der Realität. Da ist wieder ein junges Liebespaar: Peter (Martin Guss) und Adriana (Theres du Vinage). Man wird Zeuge, wie sie sich in der Tanzstunde kennenlernen, wie sie die Initiative ergreift und dem etwas schüchternen Peter an die Hand nehmen muss. Die Lacher zeigen, dass viele der jungen Zuschauer in den Charakteren sich selbst oder Bekannte wiederentdecken. Jedoch wird die Erzählung vom Liebesglück konterkariert durch die Liaison von Peters Mutter (wieder Theres du Vinage) mit Onkel Breuer (Marie Wolff). Ihr überspitztes Spiel - beispielsweise Mutter Eva, die in Gegenwart ihres begehrte Manfred Breuer mit lasziven Bewegungen das Haus putzt - nimmt groteske Züge an, etwas wenn im Abschiedsdialog eine Musik erklingt, die an "As Time Goes By" aus dem Film Casablanca erinnert. (...)
Wessen romantisches Liebesideal bis dahin noch keinen Knacks abbekam, dem wurde es spätestens nach der kurzen Umbaupause für den letzten Teil zerstört, in der Felix Lein und Georg Schumann mit Gitarre und Akkordeon das Warten wieder versüßten. Er - Namen gibt es in der Postwendezeit nicht - arbeitet und wohnt weit entfernt von Frau und der zwei Jahre alten Tochter. In der Einsamkeit und Sehnsucht nach Nähe verliebt er sich in eine andere und verlässt seine Familie. Doch sie ist beziehungsunfähig, er bleibt allein zurück. Das ganze Spiel in der sozialen Anonymität wird durch das Bühnenbild drastisch unterstrichen. Alles ist in Nebel gehüllt, von hinten scheinen nur zwei Scheinwerfer, so dass die Dargestellten nur Schatten bleiben.
Silvio Kuhnert